Samstag, 8. März 2008

The spinning girl oder was Wissenschaftler" aus einer optischen Illusion "basteln"

Quelle: (c) Nobuyuki Kayahara 2003 ( www.procreo.jp)
Diese optische Illusion darf, neben anderen "Beweisen" für die Existenz der sog. Lateralisationshypothese (angeblich völlig unterschiedliche Funktionen beider Hirnhälften) herhalten.
Schauen Sie sich die Bewegung lange genug an. Dreht sie sich im Uhrzeigersinn, oder gegen den Uhrzeigersinn? Die meisten Beobachter beantworten diese Frage mit einem "sowohl - als auch".
Allerdings nicht jedem scheint es so zu gehen und "schwupps" werden überholte "Hypothesen" wiederbelebt:
Rechte vs linke Gehirnhälfte

Keiner weiß woher, warum weshalb - nun es steht als Nachricht in der Online-Ausgabe der "Herald Sun". Können Kinesiologen und Freunde anderer, unter anderem kommerzieller Lernschulen, nun aufatmen?
Sehen Sie die Tänzerin in einer Drehung im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn?
Im Uhrzeigersinn -> Sie nutzen vor allem die rechte Gehirnhälfte
Gegen den Uhrzeigersinn -> Sie nutzen vor allem die linke Gehirnhälfte
(Zitat aus: Original: http://www.news.com.au/heraldsun/story/0,21985,22556281-661,00.html, sowie dt. Übersetzung hier: http://psychologie-news.stangl.eu/?p=120)

Wer mitmacht, kommt allerdings eher zu dem "Ergebnis", dass er beide Hirnhälften benutzt: denn nach einer Weile dreht sich die Figur auch in die andere Richtung.......Was ist geschehen?

Was bei dieser optischen Illusion innerhalb unserer beiden Hirnhälften geschieht, können nur weitere Forschungen zutage fördern......Im Augenblick ist es nichts mehr und nichts weniger als eine "Optische Illusion", denn erforscht wurde diesbezüglich noch nichts ;-)

Behauptung einer individuell dominierenden Hemisphäre samt Testung

Auch hier werden Annahmen über die Funktionsweise der Hirnhälten geäußert, welche allerdings mit wissenschaftlich belegten Ergebnissen nicht in Einklang stehen. Dem Erfindungsreichtum über das, was die rechte und linke Hirnhälfte angeblich unterscheidet und wie man dies therapiert, scheint keine Grenzen gesetzt. Wobei dann auf der Basis noch eine eigene Methode (Nathal-Methode) kreiert wird, welche sich sogar zu "Geistheilung", zu Gehirn-Kontakten mit Engeln, bei Lernstörungen etc. helfen soll.....
Auch hier wird wohl mehr der Wunsch zur Wirklichkeit: Darstellung einer angeblich klaren Aufgabenteilung der beiden Hemisphären
Auch hier gibt es eine vereinfachte Darstellung, wie angeblich die beiden Hirnhälften miteinander agieren und Aufgaben übernehmen
Hier wird auf eine deutliche Aufgabenteilung der beiden Hirnhälften abgestellt: klar und einfach
Und hier werden Informationen aus dem Internet zusammen getragen und daraus gleich pädagogische Schlußfolgerungen gezogen, begründet mit der Annahme, wie die beiden Gehirnhälften funktionieren könnten.
Das "Wissensarchiv" im Internet hält ebenfalls eine "abenteuerliche" Theorie bereit. Im Übrigen scheint dies eine Plattform zu sein, wo jeder, welcher sich dazu befähigt fühlt "Wissen" präsentiert .

Hierzu stehen die ausführlichen Recherchen zum Thema "Lateralisation" von Elkhonon Goldberg in völligem Widerspruch. Goldberg hat in seinem Buch zahlreiche Studien zusammengetragen und ausführlich referiert:


Elkhonon Goldberg
Die Regie im Gehirn
Wo wir Pläne schmieden und Entscheidungen treffen
ISBN 978-3-935767-04-0, 1. Aufl. 2002, 341 Seiten, 22 €
Verlagsinformationen zum Buch
Buchbesprechung
Die Regie im Gehirn - Wo wir Pläne schmieden und Entscheidungen treffen

Sein FAZIT mit "poetischem" Charakter:
"Das Orchester des Gehirns scheint in zwei Instrumentalisten-Gruppen aufgeteilt zu sein.

Die auf dem rechten Flügel sitzen, sind schneller, was die Aneignung eines neuen Repertoires angeht, aber auf lange Sicht betrachtet erlangen die Instrumentalisten auf der linken Seite, wenn sie entsprechend proben, eher den Zustand der Perfektion.
In der Analogie zu einem Wirtschaftskonzern besteht die Organisation des Gehirns aus zwei Abteilungen: eine beschäftigt sich mit neuen Projekten, die andere kümmert sich um eingeführte, bestehende Produktlinien.

Tatsächlich ist jede der beiden Hemisphären bei allen kognitiven Prozessen involviert, aber der relative Grad ihrer Beteiligung variiert nach dem Prinzip von Neuheit und Routine....[...]........

In den letzten Jahrzehnten ist die Spezialisierung der Hemisphären zu einem beliebten Thema in der populärwissenschaftlichen Literatur geworden. Es ist üblich geworden, über Therapien der rechten und linken Hemisphäre zu reden, über Merkmale der rechten und linken Hemisphäre und über Persönlichkeiten, die von der rechten oder linken Hemisphäre geprägt sind. Aber dabei muss man beachten, dass die beiden Hemisphären mehr miteinander verbindet als sie voneinander unterscheidet. Die Instrumentalisten, die auf ähnlichen Positionen auf den beiden Seiten des Orchesters sitzen, spielen ähnliche Instrumente. Die Spezialisierung der beiden Hemisphären ist lediglich eine Doppelvariation über dasselbe Thema. (Zitat S.82,83 - Hervorhebungen von mir)
Leider hält sich der Lateralisationsmythos - trotz anderslautender Ergebnisse aus der Hirnforschung - hartnäckig in den Köpfen von Wissenschaftlern und an der Wissenschaft interessierten Menschen.

Wer wissenschaftliche Erklärungen aus der Sehforschung für das Verständnis optischer Illusionen sucht, wird bei Michael Bach fündig ;-)

Kommentare:

Christian hat gesagt…

Erstaunlich. Ich habe minutenlang auf das Bild gestarrt, erst dann sprang es für mich von der Rechts- in die Linksdrehung. Meine Bürokollegin musste nur ein paar Sekunden auf das Bild schauen, bevor sie die Änderung der Drehungsrichtung feststellte. Das zeigt für mich auf jeden Fall schon mal, dass wir diese optische Illusion nicht alle auf die gleiche Art und Weise wahrnehmen.

Woher kommt aber die Sicherheit, dass es sich um ein Ergebnis der "Hirnhälftennutzung" handelt? Der Effekt könnte sich doch auch auf einen Unterschied in der Sehfähigkeit zurückführen lassen - oder nicht? Diese 3D-Bilder, die vor ein paar Jahren mal modern waren, konnte ich beispielsweise auch immer nicht erkennen, was mir mal recht überzeugend mit der Sehfähigkeit erklärt wurde....

Monika Armand hat gesagt…

Woher kommt aber die Sicherheit, dass es sich um ein Ergebnis der "Hirnhälftennutzung" handelt?

Da kann man nur rätseln. Da die in den Listen geführten Zuordnungen der angeblichen Hemisphären-Aufgabenaufteilung völlig "veraltet" sind und den aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung widersprechen, gehe ich davon aus, dass hier in Uri Geller-Manier spekuliert wird ;-)

Denn diese sog. Lateralisationshypothese ist Grundlage etlicher populärer und finanziell lukrativer, moderner "Lernmethoden" geworden, wie z.B. die (Edu-)Kinesiologie.

Mich erstaunt dabei immer wieder, mit welchen "Methoden" die "Beweisführung" jener veralteter Maßnahmen geführt wird.

Man hätte hier auch andere optische Illusionen hernehmen können, welche eben auf unserer "erlernten" Funktionsweise des Sehapparates basieren ;-)

Anonym hat gesagt…

Bei mir wechselt die Dame mehrmals die Richtung - beim konzentrierten hinschauen kommt kein Wechsel - aber jedesmal wenn meine Konzentration mal einen Moment nachlässt wechselt die Dame die Drehrichtung.
Arbeiten meine Gehirnhälften getrennt in 'Schichtarbeit' und die Dame nützt die Umschaltzeit um sich davon zu machen ???

sprechblase hat gesagt…

Für mich dreht sich die Figur immer nur im Uhrzeigersinn. Egal wie lange ich drauf schaue.

BinErst16 hat gesagt…

Also ich bin jetz zufällig hier drauf gekommen und es hat sich bei mir die ganze zeit nach rechts gedräht... dann hab ich den Text gelesen und mir die Grafik noch einmal angeschaut und dann gings kurz nach link .. nachdem ich mich weniger konzentriert hatte wieder rechts... aber nach ca.5 min hab ichs geschafft und ich kann mir selbs aussuchen in welche richtung es sich dreht ... ich schau es halt fast schielend an und dann sieht es so aus als ob die Figur immer von einem Bein aufs andere umspringen würde bei jeder Drehung ... wenn ich dann wieder normal gucke dreht es sich genau andersrum als davor. Vielleicht macht diese Figur echt dieses "umspringen" nur wir nehmen das nicht wahr und denken uns die bewegung flüßig? Keine Ahnung.. aber Gut zu wissen das ich der einzige bin der es bewusst ändern kann :-)

Boo hat gesagt…

du bist nicht der einzige, der die richtung ändern kann. mir ging es erst wie dir. zuerst drehte sich die ballerina im uhrzeigersinn und ich dachte mir "das muss auch anders gehen" also konzentrierte ich mich ohne schielen und ohne meine position zu wechseln auf das bild und schwupps drehte sich die ballerina mal links und mal rechts. ich kann sie auch nur eine 180° drehung machen lassen und sie ändert ihre richtung.

Erste Hilfe hat gesagt…

Ich hab jetzt auch bestimmt 10 Minuten auf dieses Bild gestarrt (bin fasziniert) und die Tänzerin dreht sich zufällig in die eine oder andere Richtung. Wenn ich aber gerne haben möchte, dass sie sich im Uhrzeigersinn dreht, geht das nicht immer, d.h. ich kann es nicht wirklich steuern. Aufgrund der fehlenden Perspektive nimmt mein kleines Gehirn eine Drehrichtung an, und beharrt drauf. Auch wenn man sich ein Auge zuhält, ändert das nicht an der Tatsche. An die Gehirhälftentheorie glaube ich nicht so ganz.

Anonym hat gesagt…

Tanja
Hallo, zuerst habe ich nur die Drehung nach links gesehen. Nach kurzer Zeit dann auch die Drehung nach rechts.

Meine persönliche Meinung:

Sieht eine Person die Ballerina nur in eine Richtung drehen, ist sie zu sehr auf das Gesehene versteift und kann es nicht abstrahieren, lässt somit also keine weiteren Lösungen des Problems zu.

Die optische Täuschung besteht darin, dass diese 3-dimensionale Bewegung wie ein Schatten auf 2D komprimiert wird. Dadurch geht die räumliche Information verloren, es kann also keine Aussage mehr darüber getroffen werden, ob das rechte Bein vorne oder hinten ist, bzw. welches überhaupt das rechte Bein ist. Das ist dann Interpretationssache der Gehirnhälften.

Schöne Grüße
Tanja

Anonym hat gesagt…

Ihr habt doch auf das Bild geklickt oder?
Also ist doch eigentlich klar das sie sich abwechselt. Das sieht man zu 100% da kann man gar nicht Fragen das steht doch sofort fest.

Anonym hat gesagt…

die frau dreht sich für mich gar nicht - ich sehe dieses bild völlig statisch! Kann es daran liegen, dass meine stereosichtigkeit stark beeinträchtigt ist?

Sevin hat gesagt…

Ich denke die Drehrichtung hat rein garnichts mit den Hemisphären zu tun. Aber ob jemand zumindest im Bereich des räumlichen Denkens kreativ ist kann man herausfinden. Dazu muss man in der Lage sein aktiv die Drehrichtung zu ändern. Bei mir klappt das nach jeder 5. Umdrehung.
Sie müssen dabei versuchen die position des gestreckten Beines, vor oder hinter dem Anderen, zu vertauschen.
Nur ob das jetzt mit reinem, logischen Verständniss oder tatsächlich dreidimensionaler Wahrnehmung zu tun hat?

Sonntagssoziologe hat gesagt…

Ich habe meienr Freundin gesagt, sie soll sich drehen. Sie dreht sich jetzt dauernd linksherum. Ist sie rechtshirnig?